Österreichische Medientage 2017

wunderGeschichten zu Besuch auf den Österreichischen Medientagen

Österreichische Medientage 2017

Event Summary: wunderGeschichten zu Besuch bei den Österreichischen Medientagen am 21. September 2017

Das Motto der diesjährigen Österreichischen Medientage lautete ebenso kurz wie einfach „Vorwärts schauen!“ Und dieser Anspruch spiegelte sich auch in den Titeln der Vorträge durchaus wider. Grund genug für uns, um mit großen Erwartungen den zweiten Tag des so optimistisch, zukunftsweisend angekündigten Events zu besuchen. Und da waren wir nun angekommen am ERSTE CAMPUS Wien, und lauschten voller Zuversicht für neue wunderGeschichten den hochkarätigen Panels.

 

Fakenews

Um 10:15 Uhr startete der erste Vortrag, den wir uns anhören wollten – Thema Fakenews. Und in der Tat erwartete uns im großen Saal 1 ein spannendes Podium bestehend aus Niko Alm (Quo Vadis Veritas), Helmut Brandstätter (Kurier), Ingrid Brodnig (Journalistin und Autorin), Katharina Schell (APA-Group), Ernst Sittinger (Kleine Zeitung) und Wolfgang Unterhuber (RMA). Sie diskutierten unter der Leitung von Uwe Vorköttler von Horizont Deutschland.

You are Fake News

Fakenews sind ja nicht zuletzt dank der brisanten Wahlkämpfe der letzten Jahre in aller Munde. Die mehr als umstrittene Kür von Donald Trump zum US Präsidenten war begleitet von einem noch nie dagewesenen „Krieg“ der Informationen und Desinformation vor allem via Social Media.
Was sind also jetzt Fakten, was sind „alternative Fakten“ und was sind Fakenews? Und welche Rolle spielen sie in den großen politischen Grabenkämpfen unseres postfaktischen Zeitalters?

Definition

Fakenews sind per Definition Falschinformationen, die absichtlich und bewusst lanciert werden. Die sehr engagierte Netz-Journalistin Brodnig wies aber auch darauf hin, dass der Begriff Fakenews mittlerweile häufig als Schlagwort für all das verwendet wird, was einem gerade nicht passt. Pflicht aller Redaktionen ist es, ihre Quellen so genau zu recherchieren, dass man nicht zur Verbreitung von Fakenews beiträgt. Unterhuber führte aus, dass es für Lokalmedien einfacher sei, Quellen zu hinterfragen, weil man viel näher am tatsächlichen Geschehen dran ist.

Die Spiele sind eröffnet

Zwischen Herrn Brandstätter und Herrn Alm entspannen sich auf dem Podium wunderbare kleine Scharmützel, um die Rolle und Funktion der „etablierten Medien“ etwa im Vergleich zu neuen Medien-Plattform wie „adendum – das was fehlt“, die von Red Bull Boss Mateschitz finanziert wird. Niko Alm betonte dabei auch immer wieder, dass natürlich diese ökonomische Ausstattung für Journalisten einen ganz besonderen Glücksfall darstellt. Was aber leider nicht als Blaupause für andere Medien und Verlage dienen kann, die immer mehr unter finanziellen Druck geraten.

Diskussionen entbrannten natürlich auch wieder um die Funktionen und um die rechtlichen Positionen der Sozialen Medien. Denn gerade Facebook zieht sich dabei stets mit dem altbekannten Hinweis aus brisanten Problemfällen zurück, dass man ja KEIN Medium sondern NUR eine Plattform sei. Zweifelhafter Content sei daher auch nicht Facebook anzulasten. Hier stehen auch nach Ansicht der ExpertInnen auf dem Podium noch lange und mühsame Gespräche an – ebenso wie ein langer Zug durch gerichtliche Instanzen. Eine rechtliche Lösung scheint hier, wenn überhaupt, in weiter Ferne zu liegen.

Als – wenig erstaunliche, aber doch klare – Erkenntnis zu den Auslösern und Verursachern von Fakenews waren sich die Diskutierenden allerdings schnell einig. Hier geht es nicht um Institutionen oder große Parteien sondern um Einzelpersonen als Täter, die Fakenews gezielt in die Welt setzen. Die massenhafte Verbreitung übernehmen dann allerdings die aufgeregten Sozialen Medien oft explosionsartig schnell. Algorithmus sei Dank, getreu dem Motto „Wütende klicken mehr.“

Die Social Media Blase

Eine der ebenso richtigen wie auch „traurigen“ Fakten sprach abschließend noch Frau Schell von der APA an. Sie betonte, dass die meisten User in ihrem nie versiegenden Newsfeed gar nicht mehr unterscheiden können und oft auch gar nicht unterscheiden wollen, aus welcher Quelle eine Nachricht stammt. Also egal ob aus einem angesehenen Verlagshaus, von einem renommierten Zeitungstitel oder von einer dubiosen News-Plattform – was da im Feed daherkommt, wird gleichwertig als Nachricht aufgenommen.

Ein guter Start in den Tag, eine spannende Diskussion, die Lust auf Mehr machte. Tja, zumindest hofften wir zu diesem Zeitpunkt noch auf mehr.

 

Recommendation, Paid Search, Promotion, Native und Programmatic Advertising

Die Themen im kleineren Saal 2 klangen für uns Werber nach jeder Menge spannendem Input.
Nun ja, leider gab es außer hübschen Begriffsdefinitionen und der Darstellung der unterschiedlichen -eh schon bekannten – Werbemöglichkeiten nichts Neues.
Es wurde mehr routiniert als spannend immer wieder das banale Hohelied auf Storytelling, Content is King und andere Buzzwords gesungen. Routinierte Speaker nutzen ihre Keynotes so auch eher zur Vermarktung der eigenen Plattformen und Firmen als zur Vermittlung neuer aufregender Inhalte.
Somit war Saal 2 für uns eher uninteressant. Dennoch wollten wir – ganz nach dem Motto – „Vorwärts schauen!“ und freuten uns auf die Vorträge in Saal 1.

 

Datenschutz

Mit dem Thema „Datenschutz“ hatten sich die Diskutanten Markus Deutsch (WKÖ), Dietmar Hoscher (Casinos Austria), Konrad Mayr-Pernek (MEC), Lilian Meyer-Janzek (IAB), Matthias Schlemmer (Österreichische Post) und Marco Schreuder (Fachgruppe Werbung Wien) kein einfaches Thema ausgesucht.

Denn die neue Datenschutzrichtline und die E-Privacy-Verordnung, die nächstes Jahr in Kraft treten, werfen mehr Fragen auf als sie beantworten. So schien es zumindest auf der Bühne. Lilian Meyer-Janzek ersucht sogar das Publikum darum, alle Kontakte zu nutzen, um darauf aufmerksam zu machen, dass die E-Privacy-Richtlinie nicht zu Ende gedacht ist. Anstelle eines ermunternden Gefühls im Hinblick auf die neuen Herausforderungen, endet das Panel mit noch mehr Fragezeichen im Kopf als bisher.

 

Programmatic Advertising in Saal 1

Auch dem Thema Programmatic Advertising wollten wir im großen Saal noch eine zweite Chance geben. Unter der Moderation von Marcus Englert (Solon Management Consulting) hatten sich auf dem Podium Michael Busch von Carat Deutschland, Peter Lammerhuber (IGMA), Oliver Vesper von smartclip und als „böser Bube“ Andreas Schwabe von Blackwood Seven versammelt.

Es entspann sich allerdings auch hier nur eine etwas halbgare Diskussion zwischen „eher traditionellen Media-Experten“ und „neuen Programmatikern und Automatisierern“, die das Für und Wider der programmatischen Automatisierung diskutierten. Wirklich neue Erkenntnisse wollten sich aber bei den immer wiederkehrenden Streit-Punkten um Echtzeit-Werbung und Doch-Nicht-Echtzeit-Werbung auch nicht einstellen. Man dachte sich als geneigte(r) Zuhörer(in): „ja eh, die machen doch alle ihren Job sicher ganz gut. Die einen nennen es halt anders als die anderen, was sie da machen.“ Im Prinzip machen sie alle dasselbe. Alle warnen vor den „amerikanischen Datenkraken“ Google, Amazon und Co, sprechen von europäischer Zusammenarbeit und von Chancen und Perspektiven. Worin diese genau liegen, kam leider nicht wirklich raus.

 

Medienpolitik

Unter diesem großen Titel hatte sich zum Abschluss auch noch das größte (und prominenteste) Podium des Tages in Saal 1 versammelt. Unter Leitung des Chefredakteurs von Die Presse, Rainer Nowak, diskutierten Gernot Blümel (ÖVP), Josef Cap (SPÖ), Dieter Brosz (Die Grünen), Claudia Gamon (Neos), Susanne Fürst (FPÖ), Gerald Grünberger (VÖZ), Peter Lammerhuber (WKO), Ernst Swoboda (VÖP) sowie ORF-Boss Alexander Wrabetz.

Und auch wenn man nicht unbedingt die banale Floskel von den „Vielen Köchen, die …“ verwenden muss. Aber es hatte doch was Wahres. Die einzelnen Sprecher gaben ihre – eh schon bekannten – Statements zum Besten. Sprachen von der Bedeutung des seriösen Journalismus in Österreich, floskelten ein wenig über Soziale Medien und deren Gefahren und stritten ein bissl über die Rolle des ORF. Man war sich einig, dass man sich nicht wirklich einig war, dass es viel zu tun gibt und dass große Herausforderungen anstehen. Punkt.

 

Persönliches Fazit wundermild

Von den Österreichischen Medientagen habe ich mir nicht nur wegen der Themen viel versprochen. Auch die Ticket-Preise haben mich glauben lassen, dass die Themen entsprechend aufbereitet und wirklich „zukunftsweisend“ sein werden. Im Großen und Ganzen muss man sagen, dass die Diskussionen teilweise sehr amüsant, Blickwinkel oft fraglich und die Auswahl der Vortragenden eher seltsam war. Dass bei den „Österreichischen“ Medientagen kaum österreichische Vertreter diskutierten war genauso traurig, wie die Tatsache, dass der Frauenanteil am Podium sogar weit unter dem Anteil der Frauen im Nationalrat lag.

 

Persönliches Fazit kurtsgeschichten

„Whatsoever“ wurde für mich ganz persönlich zum Wort dieses Medientages 2017. Nicht nur weil es mehrmals auf dem Podium von smart floskelnden Medienmenschen verwendet wurde, die sich sehr erwartbar an den üblichen Buzzwords von Storytelling bis Native Advertising dahinhantelten. Irgendwie wurde ich den Eindruck nicht los, dass es immer die gleichen Menschen sind, die sich auf den immer gleichen Events gegenseitig die immer gleichen Dinge erzählen. Die Fakenews-Diskussion war für mich hier eine positive Ausnahme – und irgendwie ist es auch fast schon schön, wenn gleich der erste Programmpunkt der Höhepunkt ist – und es auch bis zum Schluss bleibt. Warum die Medientage auf den Podien gefühlt zu 90% von Männern dominiert werden, bleibt mir bis jetzt unverständlich. Alles in allem: whatsoever …

 

<p>Natascha Szakusits ist Gründerin der Agentur wundermild und unterstützt Kunden in den Bereichen Beratung, Strategie, Konzeption, Social Media, Online und Events. Sie ist die Schnittstelle zu allen anderen Partnern und Lieferanten im Netzwerk und koordiniert die Projekte.</p>
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