Grundbegriffe des Designalltags oder „Was meint der Grafiker?“

Grundbegriffe des Designalltags oder „Was meint der Grafiker?“

Wie jeder Beruf hat auch das grafische Gewerbe seine eigene „Sprache“. Fachbegriffe, die für Laien nicht selbsterklärend sind bieten Raum für Missverständnisse und können die Kommunikation ungemein erschweren. Die folgende Liste soll dabei helfen, diese Stolpersteine aus dem Weg zu räumen, damit mehr Zeit für das Wesentliche bleibt.

 

Die Basics

Layout

Der Begriff Layout bezeichnet einen Entwurf in dem der Grundaufbau, Farbgebung und Aufteilung des fertigen Werks dargestellt wird. In der Layoutphase werden anfangs oft noch Blindtexte (siehe unten) oder Beispielbilder verwendet. Im Verlauf des Entstehungsprozesses wird das Layout im Allgemeinen anhand der Vorstellungen des Auftraggebers so weit verfeinert, dass der Schritt zur Reinzeichnung (siehe unten) nur noch rein technischer Natur ist.

Abb. 1 Seitenspiegel

Seitenspiegel

Bei umfangreichen Druckwerken mit vielen Seiten ist es oft hilfreich, noch vor dem ersten Layout einen Seitenspiegel zu erstellen. Hierbei handelt es sich um eine schematische Darstellung aller Seiten, wo in kurzen Stichworten vermerkt ist, was wohin kommt. So behält man den Überblick und verringert das Risiko, dass beispielsweise eine Anzeige vergessen wird oder ein Artikel zu wenig Platz hat. Der Seitenspiegel kann digital oder auch einfach mit Papier und Stift erstellt werden. 

Blindtext

Als Blind- oder auch Platzhaltertext wird Text bezeichnet, der in der Erstellung eines Layouts verwendet wird, wenn der endgültige Text noch nicht vorhanden ist. Hiermit können ein paar Aspekte bereits vorab beurteilt werden. Ist genug Platz für den Text vorhanden? Passt die Schriftgröße?
Fügt sich die Schriftart gut ins Layout ein? Einige Beispiele finden sich z.B. hier.

Abb. 2 Zeilenfall

 

Zeilenfall

Als Zeilenfall bezeichnet man das Verhältnis der Länge einzelner Textzeilen zueinander. Hier ist darauf zu achten, dass ein ausgewogenes Bild entsteht und keine Zeile zu lange oder zu kurz ist. 

 

Satzspiegel

Abb. 3 Satzspiegel

Satz- oder auch Schriftspiegel bezeichnet die Fläche einer Seite, die für den Inhalt genutzt wird. Dies können sowohl Texte wie auch Bilder sein. Der Satzspiegel wird von den sogenannten Stegen umrahmt. Diese sind meist nicht bedruckt bzw. eher gestalterischen Elementen vorbehalten. Beispiel dafür sind etwa die Seite eines Buches oder eine Zeitung. 

 

Abfallend

Im Gegensatz zum Satzspiegel wird beim abfallenden Druck bis zum Rand des Papieres gedruckt. Für die Produktion wird hier ein Überfüller (siehe unten) benötigt. Diese beiden Begriffe werden oft auch in Kombination angewandt. Bei einer Magazinseite ist der Text für gewöhnlich im Satzspiegel. Das Hintergrundbild aber wird abfallend gedruckt.

 

 

Fertig für den Druck

Wenn das Layout fertiggestellt und zur Produktion freigegeben wurde, muss es dafür noch vorbereitet werden. Im Folgenden finden Sie ein paar Begriffe, die in diesem Zusammenhang von Nutzen sein können.

 

Reinzeichnung

Bei der Reinzeichnung wird das Layout so aufbereitet, dass alle technischen Anforderungen für die weitere Produktion erfüllt werden. Dies umfasst zum Beispiel das Anlegen von Überfüllern (siehe unten) oder sicherzustellen, dass verwendete Bilder die nötige Auflösung haben. Des weiteren werden in dieser Phase noch grafische Feinheiten angepasst, die für das Layout für gewöhnlich noch nicht relevant sind. Das betrifft etwa die exakte Ausrichtung von Inhalten oder die detaillierte Umsetzung von Bildretuschen.

 

Überfüller

In der Produktion von abfallenden Druckwerken wird üblicherweise auf ein Papier gedruckt, das größer ist als das Endformat. Erst im nächsten Schritt wird das Papier auf das richtige Format beschnitten. Hierfür muss ein Überfüller oder auch eine „Beschnittzugabe“ angelegt werden. Elemente oder Bilder die bis zum Rand gehen, müssen in den Druckdaten über das Endformat des Produktes hinaus „verlängert“ werden. Tut man das nicht, kann es beim Beschneiden zu sogenannten „Blitzern“ kommen. Das heißt, an der Stelle, wo eigentlich das Bild sein sollte, blitzt das Papier durch. Hier reicht schon ein Bruchteil eines Millimeters für ein unschönes Ergebnis. Den meisten Druckereien reicht ein Überfüller von 3 mm an jeder Seite. Im Zweifelsfall aber einfach bei der Druckerei nachfragen!

 

Abb. 4 Überfüller und Schnittmarken

Schnittmarken

Damit die Druckerei weiß, wo das Papier zu beschneiden ist, müssen sogenannte Schnittmarken angelegt werden. Dies sind dünne Linien, die an der Grenze zwischen Endformat des Produktes und Überfüller (s.o.) platziert werden. 

 

Druckdaten

Bei der Erstellung der Druck- oder Produktionsdaten wird die Reinzeichnung (siehe oben) in ein bestimmtes Dateiformat (z.B. PDF) gebracht, das an den Produzenten zur Fertigstellung übergeben wird. Hier gibt es je nach Produktions- und Produktart unterschiedliche Anforderungen, die es zu beachten gilt, die aber in den meisten Fällen vom Produzenten vorgegeben sind.

 

Über Auflösungen und Farben

Im letzten Abschnitt dieser Übersicht möchte ich noch auf ein paar Begriffe eingehen, die zwar zur Endfertigung eines Produktes dazugehören, die einem aber auch in der Kommunikation zwischen Auftraggebern und Grafikern immer wieder begegnen.  

 

Auflösung

Die Auflösung bestimmt bei einer Bilddatei das Verhältnis zwischen der Menge an vorhandenen Bildpunkten (auch Pixel) und der Abmessung des Bildes. Sie ist entscheidend dafür in welcher Druckqualität bzw. in welcher Größe ein Bild maximal gedruckt werden kann, ohne unscharf zu werden. Die Auflösung wird in PPI (Pixels per Inch) angegeben. Das heißt wieviele Pixel sich auf eine Länge von einem Zoll (2,54 cm) befinden. Für den Druck wird üblicherweise eine Auflösung von 300 ppi gefordert. Das heißt, ein Bild das 600 Pixel breit ist kann im Druck maximal 5 cm breit sein ohne unscharf zu werden. Oder anders gesagt: um ein Bild in A4 drucken zu können, braucht es bei 300 ppi eine Abmessung von ca. 2500 x 3500 Pixel.

Für die Bildschirmdarstellung (z.B. auf Webseiten) ist hingegen nicht die Auflösung, sondern die tatsächliche Pixelabmessung relevant. Hier sind 600 Pixel immer 600 Pixel.

 

Farbraum

Ein Farbraum ist die Gesamtheit aller Farben, die innerhalb eines Farbsystems dargestellt werden können. In einem Farbsystem ist für jede Farbe durch Zahlenwerte definiert, wie die jeweiligen Grundfarben gemischt werden, um auch alle anderen Farben zu reproduzieren. Im RGB-Farbraum, der für die Bildschirmdarstellung verwendet wird, sind das die drei Farben Rot, Grün und Blau, die jeweils mit einem Wert von 0 bis 255 angegeben sind. Der Wert 90/15/180 beispielsweise entspricht einem satten Violett. Beim CMYK-Farbraum, der für den Druck verwendet wird, werden alle Farben aus vier Grundfarben gemischt – Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz. Diese sind jeweils mit einem Wert von 0 bis 100 angegeben. Das selbe Violett von eben wird hier mit den Werten 85/89/0/0 angegeben. Der Grund für die unterschiedlichen Farbräume ist, dass für Monitor und Druck zwei grundsätzlich unterschiedliche Arten der Farbmischung notwendig sind. Ein Monitor ist selbstleuchtend, hier wird Licht gemischt. Beim Druck hingegen werden Farbpigmente gemischt. So bekommt man im RGB-Farbraum, wenn man alle Grundfarben zusammenmischt, die Farbe weiß bekommt. So als hätte man drei verschiedenfarbige Taschenlampen, die alle auf die gleiche Stelle leuchten. Im CMYK-Farbraum hingegen bewirkt das Mischen aller Farben, dass man schwarz bekommt. In etwa so, wie wenn man in einem Farbmalkasten alle Farben vermischt.

 

Farbprofil

Ein Farbprofil wandelt die Farben eines Bildes für die Ausgabe auf einem anderen Gerät oder für den Druck um. Es kann vorkommen, dass ein Bild am Monitor gut aussieht, die Farben dann aber im Druck nicht den Vorstellungen entsprechen.

Das kann damit zu tun haben, dass die jeweiligen Farbprofile nicht aufeinander bzw. auf das Ausgabemedium abgestimmt sind. Ohne zusätzlicher Anpassung würde die gleiche Farbe beispielsweise auf dünnem Zeitungspapier anders aussehen als auf dem Papier eines Hochglanzmagazines. Mit den richtigen Einstellungen lässt sich aber sicherstellen, dass das gedruckte Ergebnis auch genauso aussieht, wie man es bereits am Bildschirm hat. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Monitor kalibriert, also unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheit wie z.B. Umgebungslicht an eine festgesetzte Norm angepasst, ist.

 

Diese Liste ist nur ein erster kleiner Schritt und erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll aber auch laufend erweitert werden und ich hoffe, ich konnte zumindest etwas Licht in so manches Dunkel werfen.

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